Im Dialog

Das Konzept der NÖ Landesausstellung 2026

Mentale Gesundheit, Entwicklung der Psychiatrie und gute Geschichten: Niko Wahl, Michael Resch und Armin Laussegger geben Einblicke

Das kuratorische Konzept der Ausstellung im Landesklinikum Mauer wurde vom Kurator Niko Wahl und von Michael Resch von den Landessammlungen Niederösterreich gemeinsam mit Armin Laussegger, wissenschaftlicher Leiter der Niederösterreichischen Landesausstellungen, entwickelt. Unterstützt wurden sie von einem wissenschaftlichen Fachbeirat, der sich aus Expertinnen und Experten aus Geschichte, Medizin sowie Patientenvertretung zusammensetzt.

„Ich bin jemand, der immer auf der Suche nach einer guten Geschichte ist, die erweitert werden kann. Und für die Landesausstellung haben wir eine Unzahl guter Geschichten gefunden, spannender Geschichten, manchmal trauriger, sehr oft aber auch fröhlicher oder überraschender. Geschichten, die sich dazu eignen, die ich gerne weitererzählen möchte“, sagt Kurator Niko Wahl über das Thema der NÖ Landeausstellung 2026.

Inhaltlich steht der gesellschaftliche Umgang mit psychischen Erkrankungen im Wandel der Zeit im Zentrum der Ausstellung. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem Ausstellungsort selbst zu: Das Landesklinikum Mauer gilt seit rund 120 Jahren als prägender Ort für die Behandlung seelischer Leiden in Niederösterreich und spiegelt in seiner Geschichte die unterschiedlichen Facetten im Umgang mit psychischer Gesundheit wider. Michael Resch, Kurator der NÖ Landeausstellung 2026 und Mitarbeiter der Landessammlung Niederösterreich, sagt dazu: „Geschichtsträchtig ist ein Wort, das den Ort Landesklinikum Mauer beschreibt. In einem Teil der Ausstellung zeigen wir, wie eng die Konjunkturen von Krankheiten mit den gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden sind. Die Ausstellung ist wirklich für alle da – jede Generation kann hier etwas mitnehmen.“

Die erstmalige Durchführung einer Landesausstellung innerhalb einer Landesklinik – zudem bei laufendem Betrieb – unterstreicht den Anspruch, das Thema psychische Gesundheit offen und transparent zu vermitteln. Gleichzeitig erfordert diese besondere Situation ein hohes Maß an Sensibilität gegenüber den Patientinnen und Patienten, den Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Klinikums. Armin Laussegger, wissenschaftlicher Leiter der Niederösterreichischen Landesausstellungen, betont: „Die Ausstellung bringt den Besucherinnen und Besuchern ein Thema nahe, das gesellschaftlich in dieser Breite noch nicht diskutiert worden ist. Wenn sie dazu beiträgt, dass Ängste abgebaut werden und mehr Akzeptanz erreicht wird, dann war sie aus meiner Sicht ein Erfolg.“

Eine Landesausstellung aus mehreren Teilen

Die temporäre Hauptausstellung im Haus 21 widmet sich künstlerisch und wissenschaftlich unterschiedlichen Aspekten psychischer Gesundheit und Erkrankung sowie deren gesellschaftlicher Wahrnehmung und Behandlung im Wandel der vergangenen 250 Jahre. Sie zeigt knapp 370 Objekte aus Geschichte und Gegenwart; Kunstwerke, historische Objekte, Fotos und Dokumente, die die Vielschichtigkeit des Themas vermitteln.

Im Haus 21 finden Besucherinnen und Besucher (kostenlos) einen Lernort zur Geschichte der NS-Medizinverbrechen, der aktuelle Forschungsergebnisse zur ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt während der NS-Zeit vermittelt. Diese trägt zur aktiven Erinnerungskultur bei und ist auch nach der Landesausstellung dauerhaft bei freiem Eintritt zugänglich. 

Ergänzend dazu verbindet ein kuratierter Rundweg als inhaltliches Leitsystem die verschiedenen Orte am Gelände des Klinikums und informiert über historische Hintergründe, ausstellungsrelevante Themen sowie die besondere Jugendstil-Architektur der Anlage.

Darüber hinaus wird voraussichtlich im Herbst 2026 auf dem Gelände, in unmittelbarer Nähe zum Friedhof des Landesklinikums, ein Mahnmal für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“ errichtet. Dieses wird vom Bereich Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich (KÖR) realisiert und setzt ein wichtiges Zeichen des Gedenkens und der historischen Verantwortung.

 

Stimmen aus dem wissenschaftlichen Fachbeirat:

Paulus Hochgatterer, Kinder- und Jugendpsychiater, Schriftsteller und Mitglied des wissenschaftlichen Fachbeirats:

„Mir war wichtig, dass man die Entwicklung der Psychiatrie wahrnimmt — diesen Weg vom Bild der gefängnisartigen Zelle im Wiener Narrenturm zu einer offenen Psychiatrie, die einschränkende Maßnahmen nur in absoluten Ausnahmefällen braucht. Ein anderes zentrales Thema der Ausstellung ist die Tötung psychisch kranker Menschen in der Nazizeit. Diese wollten wir in ihrer ganzen schrecklichen Klarheit darstellen.“

Christian Korbel, Ärztlicher Direktor des Landesklinikums Mauer und Mitglied des wissenschaftlichen Fachbeirats:

„Dass das Thema mentale Gesundheit und psychische Erkrankung in den Mittelpunkt gerückt und dass darüber geredet wird, ist schon sehr positiv zu bewerten. Ich hoffe, dass viele Menschen kommen, sich auch die wunderbare Architektur anschauen und von der Ausstellung selbst Anregungen und Gedankenanstöße mitnehmen.“

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